Epilepsie bei Lupahn
Lupahn
Topah sein Bruder, die Ruhe selbst.
Lupahn und Topah sind Brüder, finnische Wölfe. Beide haben wir mit der Flasche aufgezogen.
Sie hatten die Augen noch nicht geöffnet, da konnten wir bereits feststellen, dass sie sehr verschieden waren. Lupahn war ständig in Bewegung, dass änderte sich auch nicht als er älter wurde. Wir konnten bei ihm ein so genanntes Drangwandern (zwanghaftes Im-Kreis-Laufen) beobachten.
Als wir entdeckten, dass die Spitze eines Fangzahns abgebrochen war, brachten wir ihn zum Tierarzt, da wir Zahnschmerzen als Ursache für seine Unruhe verantwortlich machten. Er wurde untersucht aber unser Tierarzt stellte fest, dass er keine Zahnschmerzen hätte und auch sonst gesund sei.
Im Frühjahr 2006 kamen Lupahn und Topah in ihr drittes Lebensjahr, inzwischen war deutlich zu erkennen das Lupahn der letzte in der Rangfolge war. Er hatte ein sehr ausgeprägtes Angstverhalten. Eines Tages fanden wir ihn sehr verstört und erschöpft vor, wir machten Auseinandersetzungen im Rudel dafür verantwortlich. Wir nahmen ihn aus dem Gehege und beobachteten und betreuten ihn einige Tage von den anderen isoliert. Da wir keine Auffälligkeiten feststellten, kam er erholt zurück zum Rudel.
Zum Glück kamen wir dazu als er einen epileptischen Anfall hatte.
Nun wurde einiges erklärbar, sein ausgeprägtes Angstverhalten, seine Ruhelosigkeit, die Schreckhaftigkeit und seine extreme Anhänglichkeit. Der Anfall dauerte wenige Minuten und begann mit heftigen Zuckungen, die übergingen in Kieferschlagen, Speicheln und dann eine kurze Bewusstlosigkeit. Kaum war der arme Kerl auf den Beinen und noch völlig verstört, da fielen die anderen Wölfe über ihn her und attackierten ihn. Wir mussten ihn sofort isolieren, um ihn vor den Attacken des Rudels zu schützen. Lupahn war vollkommen erschöpft.
Für uns entstand nun ein Bild und wir konnten handeln. Für Lupahn heißt das eine Therapie mit Antiepileptika, sicher ein Leben lang. Anfangs war es schwer sich damit abzufinden, dass ein Wolf nun für den Rest seines Lebens ein Psychopharmakon einnehmen muss. Aber mit der Einnahme der Medikamente geht es ihm deutlich besser, er ist wesentlich ruhiger und stabiler, zwar immer noch der Letzte in der Rangfolge, kann er sich jetzt besser behaupten.
In der freien Wildbahn hätte ein Wolf mit epileptischen Anfällen mit großer Wahrscheinlichkeit keine Überlebenschance. Das Rudel würde ihn ausgrenzen. Von Wölfen mit epileptischen Anfällen ist uns bisher nichts bekannt.
Aber auch bei Haustieren kommt Epilepsie vor. Am häufigsten betroffen sind hiervon Hunde, etwas seltener erkranken Katzen. Aufgrund der anderen Nervenschaltungen im Tierhirn wird allerdings häufig vom „epileptiformen Anfall“ gesprochen. Eine Abgrenzung zu besonderen individuellen Verhaltensmustern von gesunden Hunden ist häufig schwierig.


