Der Brahmwald Wolf
Aufregende Stunden!
Es ist kaum zu glauben, am 7. November 2002 sah ein Revierförster. in der Nähe von Hemeln zum ersten Mal einen wilden Wolf im Landkreis Göttingen.
Als ich davon erfuhr, ließ mich der Gedanke, dass ein Wolf in freier Natur nicht weit von meinem Wohnort (damals Bad Lauterberg) durch die Wälder streift, nicht mehr los. Bereits am folgenden Wochenende machte der Wolf wieder Schlagzeilen: Am Ortsrand von Ellershausen riss er fünf Schafe. Ein Unbehagen war in mir, da mir klar war das diese Schlagzeilen nicht nur zu einem positiven Echo führen würden und die Befürchtung lag nah, dass der Wolf sein Leben als freier Wolf nicht lange würde genießen können.
Es ließ mir keine Ruhe mehr und ich wollte unbedingt eine Spur von Puck, wie er inzwischen von den Behördenmitarbeitern genannt wurde, finden. Ich fuhr also nach Ellershausen, und von dort in den angrenzenden Wald, wenn ich ihn schon nicht sehen konnte, so hoffte ich doch ihn zu hören.
Mindestens dreimal in der Woche machte ich mich zusammen mit meinem Hund gegen 01.00 Uhr in der Nacht auf den Weg und suchte nach Spuren. Da der Wolf ein nachtaktives Tier ist, rechnete ich mir zu dieser Zeit mehr Chancen aus. Es hatte auch einen Hauch von Abenteuer, auf der Suche nach einem Wolf nachts mit meinem Hund durch den Brahmwald zu streifen. Die Paarungszeit rückte immer näher und so hoffte ich über das Heulen einen Kontakt herzustellen, denn die Vermutung lag nahe, dass Puck sich auf Partnersuche begeben würde. Mit meinem Hund, mein ständiger Begleiter, heulten wir, aber alles blieb still. Ich dehnte meine Wolfssuche auch auf die Wochenenden aus, ohne Erfolg. Dafür wurde Puck hin und wieder bei zufälligen Begegnungen gesichtet.
Am 19. November gab die Untere Naturschutzbehörde bekannt: “Der Wolf bleibt”, er bekam eine Schonfrist. worüber ich erleichtert war.
In Dransfelde fand am 12.Dezember eine Informationsveranstaltung statt. Den Vortrag hielt ein Mann vom Fach – der Wolfsexperte Erik Zimen. Der Wolf wird in der Bevölkerung zumeist noch als hinterlistiges, gefährliches Tier gesehen, das den Menschen bedroht. In seinem Vortrag widerlegte Erik Zimen das eindrucksvoll. Es freute mich sehr, dass die Bürger sich mit großer Mehrheit für Puck aussprachen. Überhaupt war ich über das große Interesse sehr überrascht und noch viel mehr über den positiven Grundton gegenüber dem Wolf. An diesem Abend hatte ich das Gefühl die Überlebenschancen für den Wolf seien gestiegen. Erik Zimen bestätigte mir auch das Puck sich wohl auf Partnersuche begeben würde. Aufgrund der Beobachtung verschiedener Personen wusste ich, dass er sich weiterhin im Brahmwald und dessen Nähe aufhielt, speziell durch ein Foto das ein Mitarbeiter eines Vermessungstrupps schießen konnte wurde diese Vermutung untermauert.
Manchmal auf meinen nächtlichen Streifzügen hatte ich das Gefühl von zwei Augen beobachtet zu werden, nur leider konnte ich diesen Blick nicht erwidern. Wieder einmal erfolglos unterwegs beschloss ich enttäuscht, dass dies meine letzte Nacht gewesen sein sollte. Ich stieg mit meinem Hund ins Auto und machte mich auf den Heimweg. Wir waren noch nicht weit gefahren, als ich etwas im Scheinwerferlicht meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Ich erstarrte, es war der Wolf, sofort stoppte ich mein Auto und konnte beobachten wie er auf ein angrenzendes Feld lief, um in einer Entfernung von ca. 70 Metern für einen kurzen Moment zu verharren. Für Sekunden konnte ich ihm in die Augen schauen und schon war er im angrenzenden Wald verschwunden. Regungslos saß ich im Auto und konnte es gar nicht fassen, nächtelang war ich hier herumgestreift ohne auch nur eine Spur von ihm zu entdecken und nun als ich schon nicht mehr daran glaubte hat sich mein Wunsch doch noch erfüllt. Innerlich aufgewühlt gab ich Puck meine Wünsche wie Freiheit und Unversehrtheit mit auf den Weg.
Puck wurde nun auch in anderen Regionen gesehen, Wölfe können auf ihren nächtlichen Wanderungen problemlos Strecken von 70 und mehr Kilometer zurücklegen. Auch Puck zog weiter, Weihnachten wurde er im Bereich Friedland gesichtet, dann zog er ins Eichsfeld, wo er Anfang Januar ein Reh und eine Heidschnucke riss. Als nächstes wurde er im Südharz gesehen.

“Puck” ist tot. Ein Vierteljahr streifte die Wölfin durch die Wälder in Niedersachsen. In einem Waldstück bei Adenstedt hatte sie nun ihren letzten Auftritt. Ein Jäger streckte das Tier mit nur einem Schuss nieder, er fühlte sich bedroht und hielt den Wolf für einen wildernden Hund. Diese Meldung war umso bedauerlicher, da im Forstbezirk Brahmwald zuvor alles unternommen wurde, die Gefahr für den Wolf zu minimieren: eine der ersten getroffenen Maßnahmen war, das Schießen von wildernden Hunden bis auf weiteres auszusetzen, um gerade dieses Szenario, das nun bei Hildesheim Realität wurde, zu verhindern.
Der geschossene Wolf war eine Fähe und ein implantierter Chip brachte es an den Tag, dass es sich bei “Puck” um den vor Monaten aus dem Tierpark Klingenthal entlaufenen Wolf “Bärbel” handelte.
Wölfin Bärbel ist quer durch Deutschland gewandert, entlang alter Wanderrouten auf der Suche nach Gefährten und einem sicherem Wolfsrevier.
Bei einem Vortrag zum Thema Wolf in Österreich im Tierpark Mauntern wurde ich nach dem größten Feind des Wolfs befragt, und obwohl der Wolf inzwischen viele Anhänger hat und wie der Fall der Wölfin Bärbel bewies sich auch durchaus Jäger für den Wolf einsetzen die Antwort lautet leider immer wieder der Mensch.